von Seiner Göttlichen Gnade A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupāda
Gründer-Ācārya der Internationalen Gesellschaft für Kṛṣṇa-Bewußtsein
(Vortrag aufgezeichnet in Los Angeles 23. Dezember 1968)
Kṛṣṇa erschien vor fünftausend Jahren auf diesem irdischen Planeten und gab uns die einzigartige Philosophie und die religiösen Prinzipien des Kṛṣṇa-Bewußtseins in Form der Bhagavad-gītā. Weil sich die Dinge in der materiellen Welt im Lauf der Zeit verändern und verschlechtern, verdarben unglücklicherweise die Menschen und vergaßen die Kunst des Kṛṣṇa-Bewußtseins. Śrī Kṛṣṇa erschien daher am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts erneut als Śrī Kṛṣṇa Caitanya Mahāprabhu, um dieselbe Atmosphäre des Kṛṣṇa-Bewußtseins in der menschlichen Gesellschaft wiederzubeleben. Śrī Caitanyas besonderes Geschenk an die gefallenen Seelen dieses Zeitalters des Streits und der Uneinigkeit besteht darin, die Menschen im allgemeinen, die Religiösen, die Philosophen und alle anderen dazu zu bringen, den heiligen Namen von Kṛṣṇa zu chanten. Er informierte uns darüber, daß die Absolute Höchste Persönlichkeit Gottes auch in transzendentaler Klangschwingung herabkommen kann, und daß wir daher, wenn wir den Hare-Kṛṣṇa-mantra ohne Vergehen chanten, sofort mit Kṛṣṇa und Seiner inneren Energie in Kontakt kommen und so sofort von allen schmutzigen Dingen in unserem Herzen gereinigt werden.
Unser bedingtes Leben der materiellen Existenz ist auf die schmutzigen Dinge in unserem Herzen zurückzuführen. Ursprünglich sind wir alle Kṛṣṇa-bewußte Lebewesen, aber aufgrund unserer langen materiellen Verbindung in verschiedenen Lebensformen, die sich auf 8.400.000 verschiedene Lebensformen erstrecken, sind wir daran gewöhnt, von einer Körperform zur anderen zu wechseln. In diesem Kreislauf von Geburt und Tod sind ich, du und jeder von uns, obwohl wir ursprünglich spirituelle Seelen und daher qualitativ eins mit dem Höchsten Herrn Kṛṣṇa sind, mit dieser materiellen Lebensform identifiziert und verschiedenen Formen von materiellen Qualen ausgesetzt, insbesondere in Form von Geburt, Tod, Alter und Krankheit. Die gesamte materielle Zivilisation ist ein Prozeß des harten Lebenskampfes, der in Geburt, Tod, Alter und Krankheit endet. Die menschliche Gesellschaft kämpft auf verschiedene Weise vergeblich gegen diese ewigen Probleme des Lebens. Einige von ihnen versuchen es auf materielle Weise, andere auf teilweise spirituelle Weise. Die Materialisten versuchen, die Probleme durch wissenschaftliche Erkenntnisse, Bildung, Philosophie, Moral, Ethik, poetische Gedanken usw. zu lösen, und die Spiritualisten versuchen, die Probleme durch verschiedene Thesen zu lösen, z.B. durch die Unterscheidung von Materie und Geist auf verschiedene Weise. Und einige von ihnen versuchen als mystische yogis zur richtigen Schlußfolgerung zu kommen. Aber sie alle müssen sicher sein, daß es in diesem Zeitalter des Kali, oder dem Zeitalter des Streits und der Zwietracht, keine Möglichkeit des Erfolgs gibt, ohne den Prozeß des Kṛṣṇa-Bewußtseins zu akzeptieren. Śrīla Śukadeva Gosvāmī, der Sprecher des Śrīmad-Bhāgavatam, hat deshalb jedem empfohlen, ob er nun ein fruchtbringender Arbeiter, ein Heilsbringer oder ein mystischer yogi ist, daß er sich, wenn er tatsächlich von den Qualen der materiellen Existenz befreit werden will, dem Prozeß des Chantens von Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa, Hare Hare / Hare Rāma, Hare Rāma, Rāma Rāma, Hare Hare widmen soll.
Kṛṣṇa-Bewußtsein ist daher eine Kunst, unsere Herzen durch Reinigung vom Staub der materiellen Begierden zu verändern. Wir können unsere Begierden nicht aufgeben, denn als Lebewesen ist das Begehren Bestandteil unserer Konstitution. Deshalb können wir unsere Begierden nicht aufgeben, aber wir können unsere Begierden läutern. Das Töten des Verlangens ist keine Lösung, aber die Heilung des Verlangens, der kranke Zustand des Verlangens, ist die richtige Lösung. Damit wird der Staub des Mißverständnisses beseitigt. Wir können unsere wahre Position im Leben erkennen und stetige Fortschritte in Richtung auf das letztendliche Ziel des Lebens machen. Wir haben das letztendliche Ziel unseres Lebens vergessen, weil uns das Kṛṣṇa-Bewußtsein fehlt. Daher sollte unsere gesamte Aktivität im Kṛṣṇa-Bewußtsein ausgeführt werden, um unsere verlorene Beziehung zu Gott oder Kṛṣṇa wiederzubeleben. Wir verbieten niemandem, seine gegenwärtigen beruflichen Pflichten aufzugeben, aber wir empfehlen einfach, daß er diese Pflichten im Kṛṣṇa-Bewußtsein ausführt. Śrī Caitanya Mahāprabhu hat nie empfohlen, seine Lebensstellung zu ändern, aber Er hat den Prozeß des Hörens von Kṛṣṇa aus der richtigen, vertrauenswürdigen Quelle bevorzugt. Man sollte den künstlichen Prozeß philosophischer Spekulationen aufgeben, um zum wahren Ziel des Lebens zu gelangen; stattdessen sollte man demütig von der Philosophie des Kṛṣṇa-Bewußtseins hören, die allgemein in der Śrīmad-Bhagavad-gītā und dem Śrīmad-Bhāgavatam vermittelt wird. Wenn man demütig den mahāmantra, Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, chantet und die Botschaft von Kṛṣṇa so hört, wie sie in der Bhagavad-gītā steht, ohne irgendeine Fehlinterpretation, dann muß man seine Position nicht durch irgendeine künstliche Methode ändern. Einfach durch die Methode des Chantens und Hörens gelangt man zu einer transzendentalen Position, die einem helfen wird, Gott, Seinen Namen, Seine Form, Seine Qualität, Seine Taten, Seine Utensilien und so weiter zu erkennen.
Wir werden jedoch von Personen und Führern in die Irre geführt, die sehr wenig mit Gott oder Kṛṣṇa zu tun haben. Einige von ihnen leugnen die Existenz Gottes, einige von ihnen versuchen fälschlicherweise, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen, einige von ihnen befürworten die unpersönliche Eigenschaft Gottes, und schließlich akzeptieren einige von ihnen, ohne zu einer richtigen Schlußfolgerung gelangen zu können, das letztendliche Ziel des Lebens als Leere oder Null, in völliger Hoffnungslosigkeit und Frustration. Aber das Kṛṣṇa-Bewußtsein ist eine solide Grundlage, um Kṛṣṇa oder Gott direkt durch die einfache Methode des Chantens des heiligen Namens Gottes, oder Kṛṣṇa, zu verstehen. Von blinden Führern in die Irre geführt, haben die Anhänger, die selbst blind sind, den gewünschten Erfolg nicht erreicht, aber es gibt eine Methode namens Kṛṣṇa-Bewußtsein, die direkt von Kṛṣṇa angeboten wird, und die Anweisungen sind klar in der Bhagavad-gītā beschrieben, die uns vor fünftausend Jahren gegeben und von Ihm in der Form von Śrī Caitanya vor fünfhundert Jahren erneut bestätigt wurden. Diese Bewegung für Kṛṣṇa-Bewußtsein ist eine große Lebenskunst, sehr einfach und erhaben. Die Bewegung für Kṛṣṇa-Bewußtsein gibt einem alles, was man will, ohne jede künstliche Anstrengung. Sie ist transzendental bunt und voller transzendentalem Vergnügen. Wir verfolgen diese Aktivitäten des Kṛṣṇa-Bewußtseins durch Singen, Tanzen, Essen und Sprechen über Philosophie, die wir durch die autorisierte Schülernachfolge erhalten haben, und deshalb gibt sie uns alles, was wir wollen, ohne irgendeine künstliche Veränderung unserer natürlichen Instinkte. Das Bewußtsein ist in einem vorhanden, aber es ist jetzt ein schmutziges Bewußtsein, und was man jetzt tun mußt, ist, es von allen schmutzigen Dingen zu reinigen und es zu einem klaren Kṛṣṇa-Bewußtsein in einer angenehmen Methode zu machen, indem man den verherrlichten heiligen Namen Gottes chantet: Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa, Hare Hare / Hare Rāma, Hare Rāma, Rāma Rāma, Hare Hare. Diese Aufführungen können wir überall praktizieren. Es spielt keine Rolle, ob in einem Tempel, auf einer Straße, in einem Park oder zu Hause. Aber um uns zu versammeln und zusammenzusitzen, brauchen wir einen Ort für die Versammlung; deshalb muß ein Tempel der Bewegung für Kṛṣṇa-Bewußtsein in verschiedenen Zentren der Welt errichtet werden, ungeachtet der jeweiligen Länder, Kultur, Philosophie und Religion. Das Kṛṣṇa-Bewußtsein ist so universell und vollkommen, daß es jeden ansprechen kann, unabhängig von seiner Stellung; deshalb appelliere ich inbrünstig an sie alle, die sie bei diesem Treffen anwesend sind, ihre Mitarbeit für die erfolgreiche Durchführung dieser großen Bewegung auszuweiten. ✽
